JUSOS OSTALB - Lust was zu bewegen

 

Woher kommen wir?

Unsere Ursprünge

Wir Jusos sind keine Organisation, welche sich erst in den letzten Jahren gegründet hat. Ziemlich genau das Gegenteil ist der Fall. Unsere Wurzeln liegen in der sozialistischen Jugendbewegung. Diese begann bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. In dieser Zeit herrschte in Europa ein unerträgliches und sozial ungerechtes, kapitalistisches System. Die ArbeiterInnen hatten kaum Rechte und mussten von enorm geringen Löhnen leben, während sich die Wirtschaft und die Oberschicht bereicherten. Die Menschen beschlossen, etwas gegen diese unerträglichen Zustände zu unternehmen, und sich für ein gerechteres System einzusetzen. Zu dieser Zeit waren auch viele Jugendliche Teil dieser Arbeiterbewegung. Doch während die Erwachsenen nun sozialdemokratischen Parteien und Jugendorganisationen gründeten, konnten die Jugendlichen aufgrund der geltenden Vereinsgesetze keine Jugendorganisation gründen.

Gründung und Entwicklung in der Weimarer Republik

Im Jahr 1904 erhängte sich der 16- jährige Auszubildende Max Peter, weil er die ständigen Schikanen seines Meisters nicht mehr ertragen konnte. Nun war das Maß voll. Am 10. Oktober 1904 gründete sich der erste Arbeiterjugendverein in Berlin. Der Gedanke wurde positiv aufgenommen, und nun schlossen sich in der Folgezeit in ganz Deutschland junge ArbeiterInnen in Arbeiterjugendvereinen zusammen. Die sozialistische Jugendbewegung war geboren. Schon 1907 schlossen sich die Jugendarbeiterbewegungen auch international zusammen. Im leitenden Büro saß für Deutschland Karl Liebknecht. Sie alle vereinte der Kampf gegen den in dieser Zeit stark gegenwärtigen Militarismus sowie den drohenden Krieg. Obwohl sich alle sozialdemokratischen Parteien einig waren, den Krieg nicht zu wollen, trugen ihn im Endeffekt trotzdem die meisten von ihnen mit, darunter auch die SPD. Die Begründung hierfür war, dass man das „Vaterland in der Stunde der Not nicht im Stich lassen dürfe“. Millionen von jungen Soldaten ließen auf den Schlachtfeldern ihr Leben, die Menschen zuhause hungerten.

Als einige SPD-Bundestagsabgeordnete dem Bau von Panzerkreuzern nicht zustimmen wollten, spalteten sie sich ab und gründeten die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP). Viele junge Sozialdemokraten schlossen sich ihr an, darunter auch eine Lübecker Untergliederung, in welcher ein junger Sozialdemokrat Mitglied war, der später der erste SPD-Bundeskanzler werden sollte: Willy Brandt. In der Weimarer Republik erkannten die Jungen Sozialdemokraten sehr früh die drohende Gefahr der Nationalsozialisten. Frühzeitig wurde, um einen Aufstieg der Faschisten zu verhindern, eine antifaschistische Einheitsfront gefordert, diese wurde jedoch viel zu spät in die Tat umgesetzt. Nachdem es den Nationalsozialisten gelungen war, die Regierungsgewalt in Deutschland zu übernehmen, stemmten sich viele JungsozialistInnen mutig gegen das drohende Ende der parlamentarischen Republik und den Beginn einer grausamen Diktatur. Viele von ihnen ließen ihr Leben im antifaschistischen Widerstandskampf. Die SPD wurde verboten.

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg gründete sich die SPD neu und gründete auch eine Jugendorganisation der Partei, die Jusos. Das Problem hierbei war, dass die Jusos als „Arbeitsgemeinschaft“ in der SPD sehr stark an die Partei gebunden waren. Selbstverständlich räumte man uns Eingriffsrechte ein, jedoch waren die Jusos in den fünfziger Jahren zunächst eine zu parteikonforme Jugendorganisation, die keine eigenen, auch zur Mutterpartei kontroversen Ziele verfolgte, sondern lediglich die Inhalte der SPD akzeptierte und sich für diese einsetzte. Somit wurde aus der rebellischen und selbstbewussten Jugendormuganisation, welche sich energisch für ihre eigenen Ziele in der Partei einsetzte, und versuchte, diese davon zu überzeugen eine abnickende Nachwuchsorganisation. Ende der sechziger Jahre änderte sich diese Rolle jedoch plötzlich.

Die Linkswende

Die außerparlamentarische Opposition gegen den Vietnamkrieg, die Verdrängung der Nationalsozialistischen Vergangenheit und die Notstandsgesetze war an den Jusos nicht einfach vorbeigegangen. Die Juso-Basis wurde in einer enormen Art und Weise politisiert, und begann, wieder autonom zu denken. Das Ergebnis hiervon zeigte sich auf dem Juso-Bundeskongress im Jahre 1969, als die Basis nicht länger bereit war, den Bundesvorstand, welcher weiterhin alle Ziele und Ideen der SPD durchwinkte, zu tragen. Der amtierende Juso-Bundesvorstand wurde, noch bevor er die Möglichkeit hatte, von sich aus das Amt niederzulegen, abgesetzt. Der damalige stellvertretende Bundesvorsitzende Müller saß später sogar für die CSU im Deutschen Bundestag. Die Jusos entwickelten sich nun zu einem eigenständigen, sozialdemokratischen Richtungsverband. Diese unabhängigere Haltung gegenüber der Mutterpartei, als dies zum Beispiel bei der Jungen Union innerhalb der CDU/CSU der Fall ist, wurde weiterhin beibehalten. Aus dem Bundeskongress von 1969 resultierte auf längere Sicht eine starke Änderung der Juso-Politik. Das neue Programm, die sogenannte „Doppelstrategie“, beinhaltete eine Mitarbeit in der Partei und in den Bewegungen (also AntiAKW-, Antifa-, Friedens-, und Solidaritätsbewegung). Die Ergebnisse aus den Bewegungen wurden in die Partei hineingetragen, um diese hin zu einer Politik für abhängig Beschäftigte zu bewegen. Obwohl die Jusos sich wieder in verschiedene Flügel zerstritten, welche die ganze Zeit über heftig und kontrovers miteinander diskutierten, gab es einen eindeutigen Grundkonsens. Mit der SPD kam es jedoch weiterhin zu Auseinandersetzungen, aus welchen schließlich der Rauswurf des damaligen Juso-Bundesvorsitzenden Klaus-Uwe Benneter resultierte. Doch trotz der sich in vielen Aspekten der Politik widerspiegelnden Kontroversen mit der SPD gelang es den Juso oftmals, ihre Ansichten in die Partei einzubringen und viele davon umzusetzen, so zum Beispiel die Ablehnung des Nato-Doppelbeschlusses, der Atomausstiegsbeschluss, die Quotierung für Frauen und die weitgehende Ablehnung des §218. All diese Erfolge der siebziger und achtziger Jahre sind nicht zuletzt den Jusos zu verdanken.

Entwicklung seit der Wiedervereinigung

Nach der Wiedervereinigung gründeten sich auch in der ehemaligen DDR die SPD und ihre Jugendorganisation, welche sich zunächst einmal Junge Sozialdemokraten nannte. Auch wenn die Zusammenarbeit auf Bundesebene zunächst verständlicherweise nicht ganz einfach war, zu unterschiedlich waren die Erfahrungen, welche die Mitglieder der Ost- und Westjusos in der Vergangenheit gemacht hatten, auch dort wuchs wieder zusammen, was zusammengehörte. Man begann, voneinander zu lernen, und gemeinsam neue Ziele in Angriff zu nehmen. Seit dem Bundeskongress 1991 gibt es uns als einen Jugendverband in allen Teilen Deutschlands. Mittlerweile sind die Jusos auch in der ehemaligen DDR wiederaufgebaut und gesellschaftlich etabliert. Nach wie vor sehen wir Jusos uns als Junge Sozialdemokraten, als Jugendorganisation der SPD, welche sich für ihre eigenen Ziele und Ideen einsetzt, welche die Interessen der Jugend vertritt, welche sich für eine moderne, offene, solidarische, tolerante, gerechte und freie Gesellschaft einsetzt und das Ziel verfolgt, dadurch, zur weiteren Entwicklung unserer Gesellschaft und Demokratie beizutragen.

Unsere Geschichte ist alles andere als langweilig. Ganz im Gegenteil. Sie ist sehr bewegt und noch lange nicht zu Ende. Jeden Tag wird ein neues Stück Juso-Geschichte geschrieben, und Du kannst dabei sein und sie mitgestalten!

 

 

 

 

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